Gentest für die Spinale Muskelatrophie (SMA)
Für die Rasse Maine Coon und
Rassen mit Maine Coon-Einkreuzungen bietet BIOFOCUS einen neuen
Gentest
für die Spinale Muskelatrophie (SMA) an, der aus einer Blutprobe oder einem
Backenabstrich
durchgeführt werden kann.
Die Spinale Muskelatrophie
ist eine Motorneuronenerkrankung, d.h. eine Erkrankung der Nervenzellen.
Beim Menschen ist ungefähr eines von 6.000 bis 10000 Neugeborenen betroffen
und ungefähr eine
von 40 Personen ist Überträger der Erkrankung.
SMA beeinträchtigt alle Muskeln des Körpers, obwohl
die so genannten
proximalen Muskeln (die dem Rumpf am nächsten sind, z.B. Schulter- Hüft-
und
Rückenmuskulatur) oft am schwersten betroffen sind. Die Schwäche
in den Beinen ist im allgemeinen
größer als in den Armen. Es
kann auch die Kau- und Schluckmuskulatur betroffen sein. Die Beteiligung
der Atemmuskulatur kann zu einer erhöhten Anfälligkeit für Lungenentzündungen
und anderen
Problemen mit der Lunge führen. Sinneswahrnehmungen und
die Hautsensibilität sind nicht betroffen.
Die SMA wird aufgrund des
unterschiedlichen Erkrankungsalters, Überlebenszeiten und der Schwere
der klinischen Symptome in vier verschiedene Gruppen eingeteilt. Die bei der
Rasse Maine Coon
auftretende erbliche neurodegenerative Krankheit ist dem
SMA Typ III beim Menschen sehr ähnlich.
Der Typ III, auch als Kugelberg-Welander
oder als juvenile Form der spinalen Muskelatrophie
bezeichnet, ist viel
variabler in ihrem Beginn. Die Patienten mit diesem Typ können in der Regel
alleine
stehen und laufen, wobei aber im Verlauf der Erkrankung auch Schwierigkeiten
mit dem Laufen
auftreten können. Als weiteres Symptom kann auch ein
feines Zittern der ausgestreckten Finger zu
sehen sein. Betroffene Patienten
zeigen oft gegenüber der Norm eine 2- bis 10fache Erhöhung der
Kreatinphosphokinase (CK) im Serum.
Krankheitsbild
Betroffene Katzen zeigen
erste klinische Anzeichen im Alter zwischen 12 und 15 Wochen, die mit einer
zunehmenden Muskelschwäche und Muskelschwund verbunden sind, sowie mit
einer Degeneration
der spinalen Motorneurone. Beim Stehen können die
Hinterpfoten in einem Winkel von 30° ? 40° nach
außen zeigen
- eine Körperhaltung, die vermutlich eingenommen wird, um trotz der Schwäche
der
proximalen Muskeln eine stabile Haltung zu erreichen. Langhaar MC können
dies verbergen, das
Abtasten der Gliedmaßen zeigt aber eine reduzierte
Muskulatur.
Bei einigen zwischen 6 und 12 Monate alten Kitten wurde eine
vermehrte Schmerzempfindlichkeit
unterhalb des Thorax-Lendenbereiches beobachtet,
die sich danach wieder zurückbildete. Bei einigen
der betroffenen Jungkatzen
wurde eine erschwerte Atmung beobachtet, und alle setzten oder legten
sich
öfter hin, wenn sie einen Raum durchquerten.
Nach einer anfänglichen,
8 ? 12 Monate andauernden Periode eines zunehmenden Funktionsverlustes
schienen
die betroffenen Katzen einen Plateauzustand einer mehr oder weniger ausgeprägten
Muskelatrophie mit Schwäche und unterschiedlicher Bewegungsfähigkeit
zu erreichen.
Zu den allgemeinen Symptomen gehören:
Schwächung der Hinterbeine
feine Muskelzuckungen
Eingeschränkte
Fähigkeit zu Springen und Landen (Alter von 5 Monaten)
Gangbild zeigt
ein Schwanken der hinteren Körperteile
leicht erhöhte Aktivität
der Kreatinphosphokinase (705-964 IU/l, Normalwert < 452 IU/l); als
Hinweis
für eine leichte Skelettmuskelfaserdegeneration
Auffällige elektromyographische
Aktivität an den hinteren Extremitätenmuskeln, den
Glutäalmuskeln,
den epaxialen Muskeln am thorakolumbalen Übergang
deutlicher Verlust
der großen Motorneurone (Zellleib größer als 100 Mikrometer)
der
Vorderhörner in allen Ebenen des Rückenmarks
Ursache
Die Ursache der SMA bei der
Rasse Maine Coon liegt in dem Verlust (Deletion) eines 140000
Basenpaar
großen DNA-Stückes auf dem Chromosom 1 der Katzen. Von diesem Verlust
ist das Gen
LIX1 betroffen, das im zentralen Nervensystem aktiv ist und
dessen Ausfall ursächlich mit den
beschriebenen Symptomen in Zusammenhang
gebracht wird.
Vererbung
Die Vererbung der SMA folgt
einem autosomal rezessiven Erbgang mit variabler Ausprägung der
Symptome.
Dies bedeutet, dass die Erkrankung nur bei reinerbig betroffenen Tieren (SMA/SMA)
auftritt
und daher beide Elterntiere Anlageträger sein müssen.
Untersuchungen in unserem Labor haben eindeutig gezeigt, dass die Mutation in
der deutschen Main
Coon Population auftritt. Da mischerbige Anlageträger
nicht erkranken, fallen diese Tiere zunächst
nicht unmittelbar auf,
sondern erst, wenn betroffene Kitten fallen. Die Häufigkeit der Mutation
hat
sicherlich noch nicht das Ausmaß der bekannten HCM-Mutation erreicht,
weshalb die Wahrscheinlichkeit,
dass zwei SMA-Anlageträger zufällig
angepaart werden, begrenzt ist. Hier liegt aber die
besondere Gefahr, dass
sich die Mutation unbemerkt (wenn nicht rechtzeitig getestet wird) schnell
ausbreiten kann, und in Zukunft plötzlich das Auftreten betroffener Tiere
schlagartig zunimmt, da immer
mehr Anlageträger unentdeckt gezüchtet
wurden. Um ähnlichen Entwicklungen wie bei der HCM
vorzubeugen, ist
es sinnvoll, frühzeitig mit dem Nachweis von Anlageträgern zu beginnen.
Da mischerbige Anlageträger nicht erkranken, besteht keine zwingende Notwendigkeit,
diese Tiere
umgehend aus der Zucht zu nehmen, es muss aber genau darauf
geachtet werden, dass nicht zwei
Anlageträger angepaart werden. Durch
den neuen Gentest kann der genetische Status bezüglich der
SMA eindeutig
festgestellt werden und mit dieser Information gezielt weitergezüchtet
und so betroffene
Tiere vermieden werden.
Gentest
Zweifellos ist es wichtig,
über die genetische Veranlagung seiner Tiere bescheid zu wissen und sich
bei
einem positiven Gentest (SMA(SMA) veterinärmedizinisch beraten
zu lassen und die Pflegebedingungen
entsprechend auszurichten. Die weitere
besondere Bedeutung des Gentests kommt der
züchterischen Anwendung
zu. Der Züchter kann unter Berücksichtigung der Information über
die
genetische Veranlagung mögliche Anpaarungen genau planen.
Der
Gentest gibt eine eindeutige Auskunft über das Vorliegen der genannten
Mutation auf dem
Chromosom 1 der Katzen, die das LIX1-Gen inaktiviert. Je
nach Anlagestatus werden im Befund
folgende Genotypen unterschieden:
NN: reinerbig anlagefrei, keine SMA-Mutation
N/SMA: mischerbiger Anlageträger
der SMA-Mutation
SMA/SMA: reinerbiger Anlageträger der SMA-Mutation,
das Tier ist betroffen
Durchführung der Untersuchung
Als Probenmaterial
ist ein Backenschleimhautabstrich oder auch 0,5 ml EDTA-Vollblut möglich.
Über
die genaue Probenentnahme informiert ein gesondertes Informationsblatt.
Das Resultat liegt in der
Regel innerhalb von 4 bis 5 Tagen nach Probeneingang
vor. Der Auftraggeber erhält neben einem
Laborbefund auf Wunsch ein
kostenloses, auf das Tier bezogenes Zertifikat (ZB-Nr. oder Chip-Nr.
muss
vorliegen), aus dem die genetische Konstellation bezüglich der analysierten
Krankheit
hervorgeht. Auf Anfrage erhält der Auftraggeber das Entnahmematerial
für einen Backenabstrich
kostenlos zugesandt.
Untersuchungskosten:
Über die
aktuellen Untersuchungskosten informiert unsere homepage www.biofocus.de